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Kalender 2022

Spirit of Uri 2022 (Ausverkauft)

Mit meinem Fotokalender möchte ich dir den einzigartigen Urner “Spirit” vermitteln. 12 Impressionen zeigen die Urner Bergwelt mit kühlen Bergseen, glühenden Gipfeln, ausgefallenen Abenteuern und faszinierenden Lichtstimmungen.

Format: 45cm x 34cm

In der Region auf FSC-zertifiziertem, qualitativ hochwertigem Papier gedruckt.

Preis: CHF 32.- (ausverkauft)

Gerne gebe ich dir weitere Informationen zum Kalender. Dafür kannst ein Mail an kalender@puentener.ch senden oder deine Bestellung hier über das Formular aufgeben.

Vielen Dank für das grosse Interesse!

 


    Hintergrundinfos zum Kalender 2022:

    JANUAR – WINTERROMANTIK AUF DEM HALDI

    Wenn man im Winter nach einem Arbeitstag noch den Sonnenuntergang fotografieren möchte, muss man entweder früher Feierabend machen oder Lehrer sein. Aber selbst bei Letzterem gerät man unter Zeitdruck. So war es nämlich an diesem Januarabend auf dem Haldi. Den Ort hatte ich schon wenige Tage zuvor rekognosziert und konnte somit die Zeit und Distanz abschätzen. Ich wusste: «vil Ziit hani nid» und entschied mich beim gestressten Umziehen für leichte Turnschuhe und Jogginghose, schliesslich muss es schnell gehen. Der Plan ging auf, vorerst. Ich schaffte es vor dem Sonnenuntergang zum Zielort – diesem märchenhaft verschneiten Waldstück. Vor Ort angekommen durfte ich jedoch die Wahl meiner Kleidung nochmals überdenken, als ich bei der Suche nach dem bestmöglichen Ausschnitt durch den 50cm hohen Neuschnee stapfte. Ziemlich durchnässt, leicht frierend aber voller Glücksgefühle konnte ich dann als Krönung diesen farbenprächtigen Sonnenuntergang erleben. Worth it. Übrigens ist das Haldi zwar kein Geheimtipp, jedoch eine absolute Empfehlung sowohl im Sommer als auch im Winter. Das nächste Mal vielleicht dann wieder gemütlich mit den Schneeschuhen den Pfaden entlang, statt gestresst und halb durchfroren und «leicht bekleidet» durch den Tiefschnee.


    FEBRUAR – VOLLMOND AM SCHÄRHORN

    Ooh darauf habe ich lange gewartet. Supermond im schneebedeckten Schärhorn. Nach zweijährigem „Plangen“ und genauen Recherchen machte ich mich mit meiner Freundin am Abend auf den Weg. Die Fahrbewilligung geholt und dann die kurvige Strasse hinaufgetuckert. Während der ganzen Fahrt war die Stimmung leicht getrübt, denn das Schärhorn versteckte sich stets hinter den Wolken. Am Ziel angekommen ging im Wissen, dass der richtige Moment um 21:07 Uhr stattfinden und nur Sekunden dauern würde, das Hoffen und Bangen los.

    21:02 Uhr, die Wolken verzogen sich leicht und der Mond blitzte hervor.

    21:05 Uhr, ein dickes Wolkenband zog auf. «Oh no». Ich befasste mich schon mit späteren Ersatzspots.

    21:07 Uhr, der Moment ist da! Aber die Wolken auch. Kein Mond in Sicht. Miese Laune war angesagt auf dem Weg zurück zum Auto.

    21:10 Uhr, beim Auto angekommen lösten sich die Wolken um das Schärhorn plötzlich auf. Der Mond ist da! Zwar nicht direkt in der Sichel, aber er ist da! Jetzt musste ich ihn unbedingt mittig über dem Schärhorn ablichten können. Und deswegen packte ich so schnell es ging die Kamera und rannte gegen Osten. Mir kamen immer wieder die Gedanken „Ich bin schneller als der Mond“. Und das war ich auch (zumindest im Winkel). Immer wieder hielt ich an, um die Szenerie zu fotografieren. Die Wolken tanzten richtig um das Schärhorn, sodass sich mir immer ein anderes Bild bot. Anhalten, Hinlegen, Fotos, Rennen, Umfallen, auf dem Hosenboden rutschen, Aufstehen, Rennen, Anhalten,Fotos, usw. Meine Freundin konnte sich ihr Lachen nicht verkneifen. 

    Mein Schärhorn-Mond-Projekt ist mit diesem Bild aber noch lange nicht zu Ende. Die ursprüngliche Bildidee schwirrt noch immer in meinem Kopf. Bis dahin könnt ihr euch aber auf das querformatige Bild von dieser Szenerie freuen, welches ich im Winter in meinem Kalender „Spirit of Uri 2022“ veröffentlichen werde.


    MÄRZ – KROKUSFELD AUF DEN EGGBERGEN

    Wunderschön, aber mühsam. So würde ich das Fotografieren von Krokussen beschreiben. Offensichtlich sind diese prallgefüllten Blütenfelder ein gigantischer Anblick, ob von Weitem oder von der Froschperspektive. Dennoch gibt es ein paar witzig-mühsame Anekdoten darüber, wenn man diese wunderschönen Blumen fotografieren möchte.

    1. Man muss so ein Feld mal finden und darin die beste Perspektive.

    2. Für diese beste Perspektive legt man sich optimalerweise hin. Dabei ist man eingeschränkt auf den Beginn des Feldes, wenn man keine Blüten zerquetschen möchte. 

    3. Alternativ kauert man sich unförmig hin und platziert sowohl Füsse als auch Knie so, dass nichts zerstört wird.

    4. Krokusse wachsen meistens im Mist. Das macht Punkt 2 und 3 nicht besser. Übrigens ein klassisches Beispiel von selektiver Aufmerksamkeit: Man achtet sich auf die weissen Blüten im Bild und übersieht den Mist.

    5. Wenn die Sonne zu schwach oder gar nicht scheint, schliessen sich die Krokusse innert Sekunden. Für das erneute Öffnen braucht es dann eine gewisse Strahlkraft. Wenn also kurz vor Sonnenuntergang ein paar Wolken vor der Sonne durchhuschen, kann man ein Bild mit geöffneten Krokussen vergessen, wobei die geschlossenen Krokusse auch ein Traum sind.

    6. Übrigens gibt es häufig Schlangenfurchen in Kroskusfeldern (zumindest im Meiental)

    7. Schlussendlich spielen die «normalen Faktoren» eines Landschaftsbilds (Stimmung Wetter etc.) natürlich auch hier eine Rolle.

    Kombiniert man dann diese Punkte, darf man denselben Ort mit der gleichen Bildidee oft mehrmals besuchen. So war ich sicherlich 5mal mit dem Velo auf den Eggbergen, bis das Bild passte. Aber dennoch: Es lohnt sich alleweil bei diesem genialen Anblick!


    APRIL – SIDELENSEE MIT KAMEL

    Bei der Bildauswahl für den Kalender muss man manchmal ein bisschen tricksen. Beispielsweise kann man einen vereisten Bergsee mit Schnee rundherum schlecht im Hochsommer bringen, obwohl das Bild eigentlich dort entstanden ist (pssst). Viel eher passt es zu den Monaten der Schneeschmelze, wie z.B. dem April. Wer also im Sommer ein April-Feeling erhalten möchte, dem empfehle ich kurz nach Hüttenöffnung eine Wanderung zur Sidelenhütte. Für das beste Licht steht man in meinem Fall um 03:30 Uhr auf und marschiert um 04:30 Uhr auf dem Furkapass los. In meinem Fall begann dann vor 06:00 Uhr das Spektakel am kleinen aber feinen Sidelenseeli. Die ersten Gipfel begannen zu glühen – in Kombination mit dem schroffen Eis ein Highlight. Mein Programm ging dann weiter: Drohnenaufnahmen zum Sonnenaufgang vom Kamel. Glücklicherweise stiegen noch ein paar Kletterer durchs Bild und sorgten für ein bisschen Action. Dann wechselte ich die Seeseite, lag mich in den Schnee am Ufer und fotografierte die Eisformationen bei aufgehender Sonne. Natürlich hatte ich vom Januarbild gelernt und bessere Kleidung dabei *hust*. Das wurde dann zum Aprilbild des Kalenders. Später beschäftigte ich mich dann noch mit Unterwasseraufnahmen vom Sidelensee, bevor ich den Morgen abrundete mit zwei superleckeren Kuchenstücken mit Spezialkaffee in der Sidelenhütte. Leider hatte ich noch Programm später am Tag und war dann um 10:30 Uhr wieder im Tal. Ansonsten wäre natürlich der Nepali-Highway die Empfehlung schlechthin, um den Wandertag noch auszuschmücken. Dann beim nächsten Mal.


    MAI – REGENFÄLLE IM FELLITAL

    Der Frühsommer 2021 zeichnete sich vor allem durch etwas aus: durch Regen. Als Fotograf musste man erfinderisch werden und die Motive dem Wetter anpassen. Spezifisch suchte ich nach Bächen in Wäldern, um eine Tropenstimmung einzufangen. So verschlug es mich ins Fellital. Aus vergangenen Trips wusste ich, dass der Weg zur Treschhüte immer am Fellibach entlangführte und diesen auch öfters überquerte. Eingepackt in Regenhose und Regenjacke legte ich den ersten Abschnitt mit mit dem Ebike zurück. Ab der ersten Sekunde regnete es aus Kübeln. Trotz meiner angepassten Kleidung war ich beim Wechsel auf den Marschteil patschnass. Egal. Nicht nur ich, sondern auch der Waldboden war richtiggehend durchtränkt. Immer wieder begegnete ich kleineren Rütschen. Ein bisschen mulmig wurde es mir schon, ausgesetzt oder gefährlich war es aber nie. Spannend wurde es weiter oben, als der Weg direkt neben dem Bach durchführte, respektive Weg und Bach verschmolzen. Das stellt auch das Kalenderbild dar. Eigentlich würde der Bach nur hinter dem Stein hinunterfliessen, durch die enormen Wassermengen machte er aber kurzerhand den Wanderweg zum Bachbett. Zugegeben, die Strömung war dort nicht wirklich stark, dennoch durfte ich einen kleinen Abschnitt flussaufwärts waten. Durchnässt war ich ja sowieso. Die Kombination aus tosenden Geräuschen, frischen Gerüchen und dieser Kulisse war echt einmalig. Bei der Treschhütte angekommen erfuhr ich bei einem Stück Linzertorte, dass ich an diesem Tag der erste und wohl auch letzte Tagesgast war. Im Nachhinein unverständlich, denn das Erlebnis war gigantisch. Ich werde nun öfters bei scheusslichen Bedingungen eine einfache Wanderung antreten. Tropenfeeling pur.


    JUNI – TROPENSTIMMUNG AN DER ISLETEN

    Nicht nur Wanderwege, sondern ganze Gebiete wurden diesen Sommer an den Ufern des Urnersees überflutet. Einige Naturschutz- und Landwirtschaftszonen wurden stark in Mitleidenschaft gezogen, da das Hochwasser weit über den Auenwald hinausreichte. Wenn man diese Szenerie von aussen betrachtet und all die potentiellen Schäden im Hinterkopf behält, gibt es dennoch “Good News”. Zunächst hat das Hochwasserschutzkonzept prima funktioniert. Des Weiteren waren die Mündungsgebiete wunderschön anzusehen.  So nutzte ich den ersten lichten Tag nach den starken Regenfällen, holte eine Flugbewilligung für einige Gebiete und suchte mit der Drohne im Gepäck interessante Fotosujets. Eines davon fand ich bei den Isleten. Die Kiesbänke der Halbinsel sind so oder so bei jedem Besuch anders. Doch an diesem Tag waren sie ganz überflutet, ein regelrechtes Delta bildete sich. Riesige Mengen „Dreckwasser“ fluteten in den türkisblauen Urnersee. Das Delta, die Farbe des Wassers und die sattgrünen Wälder erinnern mich stark an die Karibik, Hawaii oder andere tropische Gebiete. Mit der Drohne flog ich ein paar hundert Meter auf den See hinaus und machte eine Panoramaaufnahme. Ich war ganz fasziniert von der Perspektive, die ich zuvor noch nicht kannte. Ausserdem bin ich in der Nähe der Schifflände bei den Sitzbänken zu finden – das obligatorische „Kalenderselfie“. Wer kann mich erkennen?


    JULI – STÄUBIFALL IM REGENBOGENLICHT

    Kaum zu glauben, aber dieses Foto entstand am selben Tag wie das Aprilbild. Es war ein Tag mit fotografischem Monsterprogramm, denn Schönwettertage waren im vergangen Juli eher Mangelware. Nach der Sidelenhütte am Sonnenaufgang (Aprilbild) fuhr ich auf den Gotthardpass zu einem Wasserfall, um anschliessend die Gotthardreuss in Hospental auszukundschaften. Im Anschluss fotografierte ich für ein Auftragsprojekt die Schöllenenschlucht vom Klettersteig aus sowie die Häderlisbrücke in Göschenen. Danach fuhr ich in die Gäscheneralp und machte ein paar Drohnenaufnahmen vom Stausee. Am späteren Nachmittag stand ein Ausflug an den Golzerensee auf dem Programm. Mit dem E-Bike raste ich von Bristen in Windeseile an den Zielort und hielt den Rundgang um den See fotografisch fest. Wunderschön, wie dieser zurechtgemacht wurde. Um das Projekt abzuschliessen wollte ich dann am Abend noch Richtung Äsch fahren – auch hier mit dem E-Bike. Den Wasserfall wie gewünscht im Kasten, merkte ich plötzlich, dass sich durch die Sonneneinstrahlung ein Regenbogen bildete. Ich konnte es nicht lassen und dachte mir: „Wenn ich schon da bin, könnte ich den Sonnenuntergang von der Anhöhe nebenan festhalten.“ Die Stimmung, die sich mir in den nächsten Minuten präsentierte, konnte ich mir kaum erträumen. Die ganze Umgebung lag im Schatten, ausser der Stäubi-Wasserfall. Der wurde mit farbenfroher Kraft von der Sonne bestrahlt. Mich erinnerte dies sofort an den „Firerfall“ – ein Phänomen das einmal jährlich von vielen Schaulustigen im Yosemite Nationalpark bestaunt wird. Dort leuchtet der Wasserfall feuerrot, halt ein Feuerfall. eine Ähnliche Szenerie wurde auch mir im Juli geboten – rote Felsen, angestrahltes Wasser und ein kräftiger Regenbogen – was für ein Traum! Ein Moment, der aber schwierig war einzufangen. Es war ziemlich windig und das Wasser „stäubte“ mir so richtig um die Ohren und vor allem auch auf meine Filter sowie die Kamera. Mein Putztuch war schnell durchnässt, da man die Filter vor jeder Aufnahme putzen musste. So musste das T-Shirt daran glauben. Putzen. Wasserfall fotografieren. Putzen. Wasserfall fotografieren. Kamera umplatzieren. Putzen. Äsch fotografieren. Kamera umplatzieren. Putzen. Wasserfall fotografieren. Es war purer Stress, aber sicherlich ein lustiger Anblick. „Ein Irrer rennt oben ohne mit der Kamera herum.“ Ich war überglücklich!


    AUGUST – ABENDROT IM SUSTENGEBIET

    Den Sustenpass habe ich echt noch lieber gewonnen – so viele versteckte Perlen, wie auch dieses kleine Seelein. Man muss gar nicht weit laufen, bis man das kleine Gewässer mit fantastischem Ausblick erreicht. Den Weg kannte ich von vergangenen Fototrips. Auch wenn das Ziel nach gut 15min erreicht ist, prägte bei diesem Ausflug genau diese kurze Strecke mein Erlebnis. Ich war nämlich nicht alleine. Ein junger Steinbock, sein Geweih noch kaum gewachsen, stolzierte gut 30 Meter vor mir auf den Felsen herum. „Mist, ich habe den Superzoom vergessen“, blitzte es mir durch den Kopf. Immerhin das Zoomobjektiv hatte ich dabei. Aus der Entfernung führte es jedoch zu dürftigen Resultaten. Der Steinbock erspähte mich und tappte davon. Ich gab die Hoffnung noch nicht ganz auf, schliesslich musste ich in dieselbe Richtung. So hielt ich meine Kamera „gezogen“ und marschierte weiter. Kurz vor dem Seelein bog ich um die Ecke und plötzlich stand der junge Steinbock nur wenige Meter vor mir. Ich versuchte ich ihn zu fotografieren, mein Blickwinkel war aber nicht optimal. Vorsichtig bewegte ich mich langsam weiter, um eine bessere Perspektive zu erhaschen. Er bemerkte mich, erschrak und rannte – es wirkte fast schon unkontrolliert – blitzschnell über die Felsen, den steilen Hang hinunter. Im ersten Moment machte ich mir ein wenig Sorgen um das verängstigte Tier und wagte ein Blick über den Felsen. Keine Spur von dem Steinbock zu sehen. „Sorry Brosr für den Schreck deines Lebens, ich nehme an, du bist wohlauf“. Ein wenig enttäuscht, kein besseres Bild vom Steinbock geschossen zu haben, widmete ich meine Aufmerksamkeit dem Hauptsujet. Und das enttäuschte keineswegs. Durch die Spiegelung konnte ich gar ein doppeltes Abendrot festhalten. Gepaart mit dem saftigen Grün der Farne, ein wirklich toller Anblick, der mich über das gescheiterte Superbild vom Steinbock hinwegtröstete.


    SEPTEMBER – MYSTIK AM HEXENSEE

    Aus ersten Rückmeldungen kennen nur die Wenigsten den Hexensee. Das könnte auch daran liegen, dass er zwar unmittelbar neben der Grenze jedoch nicht auf Urner Terrain liegt. Dieser echte Geheimtipp liegt auf Bündner Boden. Es gibt zwei Varianten, wie man den Lai dalla Stria – so wird er auch genannt – erreichen kann. Entweder man wandert von der Etzlihütte über die Mittelplatten und erreicht so unter einer Stunde den Hexensee. Allerdings muss man dafür zuerst zur Etzlihütte gelangen. Die Tagestour durch das Maderanertal über die Etzlihütte zum Hexensee, mit mehreren Abstechern weiteren Bergseen und Wasserfällen, werde ich mir in Zukunft sicherlich nicht entgehen lassen. Wenn man genug Zeit mitnimmt, eine absolute Empfehlung. Ich entschied mich jedoch für die zweite Variante, den kürzeren Weg von Rueras aus. Auch dieser weg ist sehr interessant, fast schon einmalig, denn der Weg führt den Stromleitungen entlang. Ich konnte mir die Strecke so noch gut einteilen und orientierte mich von Strommasten zu Strommasten. Zusammen mit meiner Mutter absolvierte ich die ersten 600 Höhenmeter durch den matschigen Weg relativ zügig, bis wir eine kleine Pause beim Elektrizitätswerk einlegten. Der Ort war in spezieller Weise authentisch. Nach dem folgenden steilen Anstieg, beim nächsten Strommasten angekommen, wechselt es nach Karte auf unwegsames Gelände. Allerdings war das kein Problem, denn nicht nur ein Weg, sondern auch eine Ausschilderung zum „Lai dalla Stria“ konnte man kaum übersehen. Nach weiteren Minuten durch eher flaches, moosiges Gebiet erreichten wir das Ziel. Wow! Wenn man das Gelände betrachtet, erwartet man dort wirklich nicht ein See dieser Grösse. Leider wurde die sonst atemberaubende Spiegelung durch die eher starken Winde vor Ort aufgewirbelt. Die Abendstimmung war aber sehr mystisch und passte so wunderbar zum Hexensee. Das Gebiet „Plaun Grond“ rund um den Hexensee ist übrigens sehr erlebnisreich, nebst dem Besuch bei einem zweiten See kann man dort auch sehr gut stahlern (Tagespatent in Sedrun erhältlich). Da es aber im September ziemlich schnell eindunkelt, hatten wir für dies keine Zeit und joggten kurz nach Sonnenuntergang im Restlicht zum Auto zurück. Ein toller Ausflug, den ich sicherlich wiederholen und ausschmücken werde. Und gerade weil ich dieses Gebiet so toll finde, „spienzelte“ ich bei der Bildauswahl meines Kalenders auch mal ein paar Meter über die Grenzen hinaus, wobei die Perspektive dann schon in Richtung des Grenzgebirges und der Urner Gipfel gewählt wurde.


    OKTOBER – SALBITEN IM HERBSTKLEID

    Seit Jahren treibt es mich jeden Herbst mindestens einmal ins Salbit-Gebiet, so schön leuchten die gelben Lärchen dort. Man hat die Auswahl zwischen zwei Wegen: Entweder man wählt den steilen Aufstieg vom Hüttenparkplatz oder den etwas längeren dafür flacheren Weg von Göschenen aus. Zeitlich unterscheiden sich diese nur gering. In den meisten Fällen entscheide ich mich für die steilere Variante. Nicht schlecht staunten wir (ich und meine Mutter) dieses Jahr, als wir die uns bekannte Strecke in relativ schnellem Schritt zurücklegten, wir aber dann kurz vor Schluss von einem 75+ jährigen Einheimischen aufgeholt und distanziert wurden. Klar sein Gepäck war um Einiges leichter, seine Zeit von Göschenen aus aber auch erheblich schneller. Diese Strecke mache er jeden Tag, meinte er beiläufig und kaum ausser Atem. Chapeau! Ich habe riesigen Respekt vor solchen Leistungen (700 Höhenmeter in unter einer Stunde). Dieses Kalenderbild entstand aus Gründen der Abgabefristen jedoch ein Jahr zuvor. Auch dort war ich mit meiner Mutter und zusätzlich meinem Bruder unterwegs. Alle drei waren auf der Suche nach einem geeigneten Bildausschnitt. Denn die Lärchen sind dann am interessantesten, wenn sie mit Sonnenlicht durchflutet werden. So ist das optimale Motiv gar nicht so einfach zu finden, wenn die Sonne nach der Bildidee gleichzeitig untergehen sollte. Ausserdem müssten die imposanten Salbitschijen Teil des Fotos sein. Wir entschieden uns für Lärchen auf einer kleinen Anhöhe. Bis zum Sonnenuntergang war aber noch Zeit für mich, das Gebiet zu erforschen. Und so fand ich weiter unten, den hier abgebildeten Ausschnitt. Durch eine Lücke gelber Lärchenäste ist der Salbitschijen wunderbar zu erkennen, andere Tannen dämpfen das Sonnenlicht und vermeiden so störende Lensflares und der Vordergrund ist geprägt von roten Heidelbeersträuchern. Und weil kurze Zeit später Wolken den Sonnenuntergang verdeckten, fiel die ursprüngliche Bildidee sowieso ins Wasser. Glück gehabt.


    NOVEMBER (+TITELBILD) – BRISTENBLICK AM MORGEN

    Meistens sind die Ausflüge zur alten Axenstrasse ein Notnagel, wenn sich unverhofft eine schöne Stimmung anbahnt. Hier war es aber nicht so. Denn ursprünglich wollte ich dort den untergehenden Vollmond in den frühen Morgenstunden fotografieren. Leicht genervt musste ich zusehen, wie vorbeiziehende Wolken mein Motiv im entscheidenden Moment verdeckten. Vielleicht auch aus diesem Grund gab ich mich mit meiner fotografischen Ausbeute dieses Morgens noch nicht zufrieden und wollte die Stunde bis zum Sonnenaufgang noch abwarten. „Es ist zwar keine Föhnstimmung, aber vielleicht ergibt sich etwas“, dachte ich mir ohne grosse Hoffnungen. Wach war ich ja sowieso. Meine Laune erheiterte sich schlagartig, als ich dann eine halbe Stunde später leichte, rötliche Verfärbungen am Himmel erkannte. Und als dann später die ersten Sonnenstrahlen den Bristen zum Glühen brachten und den Himmel orange färbten, war ich dann fast schon wieder überfordert. Zunächst wollte ich die ganze Szenerie weitwinklig festhalten, bis ich merkte, dass die „Show“ hauptsächlich beim Bristen stattfand. Dank der Ursprungsidee, den Mond zu fotografieren, hatte ich glücklicherweise mein Zoomobjektiv dabei. Und so entstand schliesslich dieses Bild – geplant ungeplant. Der Anblick des Bristens weckt bei mir immer „Homecoming-Gefühle“. Immer wenn ich nach der Arbeit, Ausflügen oder den Ferien die Axenstrasse in Richtung Flüelen fahre und dann den Bristen erblicke, weiss ich dass ich bald zu Hause bin. Und ich denke, so geht es den meisten Urnerinnen und Urnern.


    DEZEMBER – NEUSCHNEE AUF DEM BRÜSTI

    Frischer Pulverschnee und eine klare Nacht lassen jedes Fotografenherz höher schlagen, so auch meines. Mit Kamerarucksack und Schneeschuhen ausgerüstet, wählte ich für den Sonnenaufgang das Brüsti aus. Ich plante einen kurzen Marsch den Schneeschuhweg entlang, bis die Kulisse stimmte. Die Bahn verlassen, die Schneeschuhe montiert und den Rucksack zurechtgezogen, ich war bereit. Topmotiviert startete ich die Wanderung, die dann genau 50 Meter und eine Minute dauerte. Schon war ich überwältigt von dem Anblick eines frischen Schneefeldes mit Aussicht auf frisch verschneite Tannen, das Nebelmeer und den Bristen. Eigentlich hatte ein komplett anderes Bild im Kopf, aber ich konnte nicht weitergehen. “Da stimmt alles”, dachte ich mir und stapfte durch den luftig-leichten Zucker. Nach ein paar Feinjustierungen der Perspektive hiess es dann Warten, schliesslich habe ich genug Zeit für den Fussmarsch und das Einrichten eingeplant. Diese halbe Stunde galt es nun totzuschlagen. Mit guter Musik auf den Ohren und leicht träumerisch fast schon verpeilt wartend, war diese aber im Nu rum. Schlussendlich kam ich bei meinen letzten Einstellungen fast noch in den obligaten Stress, als die Sonne aufging. Dann blitzte die Sonne hervor, ich war überwältigt, alles funkelte und glänzte – ein wahres Winterwunderland. Kaum vorzustellen, dass ich mich dabei nur wenige Meter neben der Bergstation befand und ich den Ausblick gar nicht wirklich “verdienen” musste. Die Schneeschuhwanderung liess ich mir im Anschluss dennoch nicht nehmen.

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